Die zehn Gebote

Die zehn Gebote – und warum sie bis heute nicht funktionieren können…

Kennst Du die Story mit dem „Rosa Elefanten“? – Der Mentaltrainer, der gerade versucht, Dir das Rauchen auszutreiben, sagt zu Dir, um zu beweisen, dass Dein Unterbewusstsein kein „Nein“ und kein „Nicht“ kennt, Du sollst jetzt nicht an rosa Elefanten denken. Und an was denkst Du? Na an was wohl?

Um überhaupt den Prozess des Nichtdenkens an dieses blöde rosa Vieh in Gang zu bringen, musst Du einfach an das farblich verunglückte Rüsseltier denken. Ob Du willst oder nicht.

Du nickst! Ja, es ist unmöglich, nicht daran zu denken; der Trainer hat Recht.

So psychologisch vorbereitet, holt der professionelle Rauchentwöhner zum finalen Schlag aus:

„Und warum erzählen Sie denn jedem und damit sich selbst, dass Sie nicht mehr rauchen wollen? Ihr Unterbewusstsein, das ja keine Verneinung kennt, hört nur, dass Sie ab sofort mehr rauchen wollen. Und legt sich mächtig ins Zeug, um Ihnen auch noch eine Havanna-Zigarre auf Lunge schmackhaft zu machen.“

Du nickst wieder, jetzt heftiger – ja das leuchtet ein: Ab sofort überprüfst Du Deinen allgemeinen Wortschatz und negierst alle negativen Wortschöpfungen, wie „Ich will nicht fett werden“ oder auch „Ich will mich jetzt nicht aufregen über diesen blöden Typen“. Sondern Du versuchst ab sofort, alles positiver auszudrücken, Zum Beispiel: „Ab sofort werde ich immer reine, saubere Luft atmen“ oder „Ab sofort will ich schlank werden“ oder auch „Ich bin ganz ruhig“.

Mutter Theresa hat diese in uns innewohnende Gewohnheit der negativen Formulierungen sehr wohl erkannt und einmal Folgendes sinngemäß gesagt: „Einer Anti-Kriegs-Demonstration bleibe ich fern, zu einer Friedens-Demonstration können Sie mich gerne einladen.“

Achte auf Deine Worte! Alles was beachtet wird, wird verstärkt, also auch eine negative Formulierung. Achte auf das, was Du so den lieben langen Tag für negativen Müll aus Dir herausplapperst – und noch schlimmer, vor sich hin denkst. Du beschließt: Ab jetzt bemühe ich mich um grundsätzlich positivere Gedanken und Äußerungen.

Spätestens seit „The Secret“ und dem dort genannten Beispiel „Aladin und die Wunderlampe“ für das absolut oberste Gebot des freien Willens sollte jedem endlich klar sein, dass man immer das bekommt, was man sich bestellt. Auch das versehentlich negativ Formulierte. „Dein Wille geschehe…“ heißt es denn auch schon treffend im „Vaterunser“.

Warum ich Dir das alles erzähle? Nun, dann schaue Dir doch einmal die „Zehn Gebote Gottes“ an, die ja die moralische Grundlage des menschlichen Zusammenlebens und der christlichen Ethik darstellen soll.

Hier eine Kurzfassung der Gebote, wie sie uns als Kinder vom Religionslehrer oder vom Pfarrer vermittelt worden sind und seitdem unauslöschlich in unserem Unterbewusstsein verankert sein sollte:

  1. Du sollt keine anderen Götter haben neben mir
  2. Du sollst den Namen des Herrn … nicht missbrauchen
  3. Du sollst den Feiertag heiligen und nicht am siebenten Tag arbeiten
  4. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren
  5. Du sollst nicht töten.
  6. Du sollst nicht ehebrechen.
  7. Du sollst nicht stehlen
  8. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden
  9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus
  10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib

Merkst Du was? Mit einer einzigen Ausnahme (4. Gebot) heißt es immer: „Du sollst nicht…

Wir haben weiter oben festgestellt, dass das Unterbewusstsein nicht zwischen Wahr und Unwahr unterscheiden kann und das zwischengeschobene Wörtchen „Nicht“ einfach ignoriert. Und was kommt raus? Seit Gott dem Moses die geschriebenen Zehn Gebote für das ungläubige Volk übergab, welches nach den Worten Gottes ein strenges Gesetz mit festen Regeln sein sollte, wurden diese falsch interpretiert.

Wie der bibelfeste Leser ja weiß, zerbrachen die ersten Tafeln, noch bevor Moses sie veröffentlichen konnte. Gott übergab daraufhin Moses ein ungeschriebenes und somit unsichtbares Gesetz, das er für die Kinder des Lichts in seiner Brust aufbewahren sollte. Sicherlich enthielt die erste Version der Gebote Gottes nicht einen solchen Duktus, der seitdem für angeregteste Diskussionen über den wahren Sinn und Inhalt der Zehn Gebote sorgt. Es wäre sicherlich hochinteressant, zu erfahren, was Gott damals dem Moses wirklich ins Ohr geflüstert hat. Das könnte die Welt aus den Angeln heben, glaube ich.

In diesem Aufsatz verkneife ich es mir wegen der Länge und Lesbarkeit des Artikels, näher auf die einzelnen Gebote einzugehen, was sie einst wirklich bedeutet haben könnten.

Nur ein Beispiel: 5. Gebot: Du sollst nicht töten. Ok. Unser Unterbewusstsein kennt „nicht“ nicht und es glaubt nun, munter drauflos morden zu können und glaubt sich gar im Recht. Steht doch schon in der Bibel – oder wurde da etwa ein kleines, aber sehr wichtiges Wörtchen übersehen?

Schauen wir uns um in unserer Welt, in der wir leben. Wer hält sich eigentlich wirklich an die ursprünglich vermittelte Botschaft, eben nicht zu töten oder, positiv ausgedrückt: allen Menschen und allen Wesen mit Respekt zu begegnen und dafür zu sorgen, dass es allen gut geht? Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass das hebräische „rasach“ (= töten) ursprünglich nur das ungesetzliche, willkürliche Töten meinte. Laut der damaligen Auslegung der Zehn Gebote durch die Hebräer war es also durchaus erlaubt und legitim, im Krieg zu töten oder eine durch die Gemeinschaft angeordnete Tötung, wie z.B. die Todesstrafe durchzuführen.

Und diese Auffassung scheint sich irgendwie bis heute hartnäckig gehalten zu haben.

Zusammengefasst: Aus allen diesen Überlegungen heraus bin ich der festen Überzeugung, dass die Zehn Gebote, so wie sie heute noch gebetsmühlenhaft und gedankenlos heruntergeleiert werden und immer wieder bemüht werden, wenn es darum geht, „Gerechtigkeit“ wiederfahren zu lassen, nichts taugen und weiter den Menschen unbewusst suggerieren, dass gerade das, was man mit den Geboten vermeiden wollte, geradezu verstärkt und ermuntert. Deshalb können die Zehn Gebote auch in Zukunft – so formuliert, nicht funktionieren.

Aus diesem Grunde hier zusammengefasst eine meiner Meinung nach schönere und positivere Formulierung der Zehn Gebote als Angebot für eine richtig heftige Diskussion.

Meine persönlichen Zehn Gebote:

  1. Gott ist in Dir, nenne ihn, wie Du willst!
  2. Handele immer nur eigenverantwortlich und stehe dazu!
  3. Arbeite, wenn es Dir danach ist, jedoch erfreue Dich immer auch an den schönen Dingen dieses Lebens und achte auf Dein Wohlbefinden!
  4. Ehre und achte Deine Mitmenschen, alle Wesen und die Natur!
  5. Achte auf das Wohlergehen aller Lebewesen, hüte, umsorge und pflege sie!
  6. Achte und respektiere die Lebensgemeinschaft Deiner Mitmenschen.
  7. Achte und respektiere fremdes Eigentum.
  8. Achte auf Wahrheit und Klarheit in Deinem Denken, Handeln und Tun.
  9. Freue Dich über den Wohlstand Deiner Mitmenschen
  10. Erfreue Dich an dem, was Dir und zu Dir gehört, achte und ehre Deine Familie und Deinen eigenen Wohlstand.

Sicherlich sehr unfertig und diskussionswürdig, ganz bestimmt jedoch sehr viel positiver formuliert. Was meinst Du?

Herzlichst Dein Wolfgang T. Müller

copyright 2014 by Wolfgang T. Müller. 
Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung und Quellenangabe