Das Kleid…meine diesjährige Weihnachtsgeschichte

Das Kleid…

girl-1078220_1920In irgendeiner Stadt, zur besten Zeit, Menschen hasten durch die Straßen – sehr geschäftig und eilig! Ein kleines Mädchen steht da. Ganz alleine! Es sieht ziemlich verloren aus. Aufmerksam mustert es die vorbei eilenden Menschen. Eine ältere Dame kommt die Straße entlang. Das kleine Mädchen macht einen Schritt auf sie zu und fragt: „Gefällt Ihnen mein Kleid? Das hat mir meine Mama genäht!“ Eine Träne läuft langsam seine Wange herunter. Die Dame bleibt verdutzt stehen. Sie schaut auf das Kind in seinem Kleid. Es war sehr einfach aber sauber und akkurat genäht. „Gut“, sagte sie, „ es gefällt mir sehr gut.“ Aber sag mir, meine Kleine, warum weinst du denn?“ Das Kind antwortete: „Als meine Mama das Kleid genäht hatte, ging sie weg.“ Die Dame schaute ein wenig zögernd, aber um die Kleine zu trösten, sagte sie: „Aber wenn so ein liebes Kind wie du auf sie wartet, wird sie sicher bald zurück kommen.“ „Nein Sie verstehen nicht.“ sagte das Kind und nun liefen ihm die Tränen die Wangen herunter. „Mein Papa hat gesagt, dass sie im Himmel bei Opa ist.“

Nun wusste die Frau warum das kleine Mädchen weinte. Sie kniete sich nieder, nahm das Kind in ihre Arme hielt es ganz fest und wiegte es, wie es die Mutter auch getan hätte. Sie konnte nicht verhindern, dass auch ihr ein paar Tränen aus den Augen tropften.

Plötzlich tat das Mädchen etwas sehr Merkwürdiges, es hörte auf zu weinen, trat ein paar Schritte zurück und fing an zu singen. Das Kind sang so sanft und so weich. Es klang fast wie ein Flüstern. Es waren die süßesten Töne, die die Dame je gehört hatte. Es klang wie das Zwitschern eines kleinen Vogels. Das Kind hörte auf zu singen und sagte: „meine Mama hat mir dieses Lied gelernt, bevor sie in den Himmel ging und ich musste ihr versprechen, es immer zu singen wenn ich weinen muss. Sie sagte, es würde mir helfen wenn ich traurig bin.“ Dann lachte das Kind plötzlich und sagte zu der Dame: „sehen sie meine Augen sind wieder trocken, ich muss nicht mehr weinen.“

Die Dame wollte weiter gehen. Da fasste das Kind nach ihrer Hand und sagte: „Haben sie noch eine Minute Zeit? Ich möchte Ihnen etwas zeigen!“ „Ja, ich habe noch etwas Zeit, was willst du mir denn zeigen?“ Das Mädchen zeigte auf einen Punkt auf ihrem Kleid und sagte: „Hier das ist die Stelle, wo Mama mein Kleid geküsst hat. Hier ein Kuss …und noch ein Kuss …. hier einer … und hier noch einer.“ Und es zeigte auf viele, viele kleine Punkte auf dem Kleid und sagte weiter: „Meine Mama sagte, für jede Träne, die ich einmal weinen muss, ein Kuss.“

Die Dame stellte fest, dass sie nicht nur auf ein Kleidchen schaute, sondern dass sie eine Mutter sah, die wusste, dass sie sterben würde. Eine Mutter die nicht mehr da sein würde, um ihrer kleinen Tochter die Tränen wegzuküssen und ihr in ihrem Schmerz und Trauer zu helfen. Alle Liebe, die sie für ihr wundervolles Mädchen fühlte, nähte sie in dieses Kleid, welches ihr Kind nun voller Stolz trug. Die Dame sah nicht länger nur ein Kind in einem schlichten Kleidchen. Sie sah ein Kind eingehüllt in die Liebe seiner Mutter.

Vieles ist für uns schon zur Selbstverständlichkeit geworden.
Es sind aber genau diese kleinen Dinge, die unser Leben erst lebenswert machen.

Ich wünsche eine friedvolle und geruhsame Weihnachtszeit, in der auch Zeit bleibt, um auf diese Selbstverständlichkeiten zurückzublicken. 

Euer Wolfgang

Quelle: unbekannt